Kapitel 11: Personal Monitoring: P16 & Midas DP48

Personal-Monitoring-Systeme ermöglichen es Musikern auf der Bühne, ihren eigenen In-Ear-Mix völlig autark nach ihren persönlichen Wünschen einzustellen – ohne die Aufmerksamkeit des FOH-Toningenieurs zu beanspruchen. Das Behringer X32 und Midas M32 unterstützen zwei etablierte Personal-Monitoring-Systeme: das Behringer Powerplay P16 (über das Ultranet-Protokoll) und das Midas DP48 (über AES50).

Dieses Kapitel beschreibt das Ultranet-Protokoll, Patching-Strategien für 16 Kanäle, die Einbindung von Atmo-Mikrofonen und die Midas-DP48-Integration.


1. Das Behringer Ultranet Powerplay P16 System

Der proprietäre Ultranet-Digitalbus überträgt bis zu 16 unkomprimierte Audiokanäle mit 24 Bit und 48 kHz über Standard-Netzwerkkabel (Cat5e):

Verbindung Von Nach Überträgt
1 Ultranet Out des Pultes (EtherCON / RJ45) P16-D-Verteiler-Hub 16 Kanäle, geschirmtes Cat5e
2 P16-D-Hub Ein P16-M Personal Mixer pro Musiker (Schlagzeuger, Bassist, Lead-Sänger, Keyboarder, …) Audio und Stromversorgung über Cat5e

Der P16-M Personal Mixer:

  • 16 Kanalwahltasten: Eigene Lautstärke, Stereo-Panorama, Solo und Mute pro Kanal.
  • 3-Band-EQ mit semiparametrischen Mitten: Individuelle Klangkorrektur auf jedem Kanal ohne Auswirkung auf die Saalmischung.
  • Integrierter Gehörschutz-Limiter: Schützt das Gehör des Musikers vor versehentlichen Pegelspitzen.

2. Ultranet-Routing & Abgriffpunkte

Öffnen Sie ROUTING → ULTRANET, um die 16 P16-Kanäle zu belegen:

Einstellung Erlaubte Werte
Quelle Kanal, Mix-Bus, Matrix, Direct Out oder Main
Tap Point Post-EQ oder Pre-Fader — niemals Post-Fader
Wichtig

Zwingende Abgriff-Regel für Personal-Mixer: Stellen Sie den Tap Point auf POST-EQ oder PRE-FADER! Verwenden Sie niemals Post-Fader: Steht Ultranet auf Post-Fader, verändert jedes Nachjustieren des FOH-Mischers im Saal sofort die Lautstärke im Ohr des Musikers. Pre-Fader liefert den fertigen Kanalklang inklusive EQ, trennt den Musiker aber zuverlässig von den Faderbewegungen der Saalmischung.


3. Die „16-Kanal-Strategie“ (The 16-Channel Squeeze)

Da eine typische Band oft 24 bis 32 Kanäle umfasst, müssen Einzelsignale für die 16 P16-Kanäle geschickt gebündelt werden:

P16 Kanal Signalquelle Routing-Methode
01 Kick Drum Direct Out (Kanal 1)
02 Snare Drum Direct Out (Kanal 2)
03 Drums Summe (Toms/Overheads) Mix-Bus 11 (Subgruppe)
04 E-Bass Direct Out (Kanal 4)
05 E-Gitarre 1 Direct Out (Kanal 5)
06 E-Gitarre 2 Direct Out (Kanal 6)
07 Akustikgitarre Direct Out (Kanal 7)
08 Keyboards / Flügel Mix-Bus 12 (Stereo-Subgruppe)
09 Klick & Einzähler (Guide) Direct Out (Aux In / Ch 9)
10 Zuspieler / Backing Tracks Mix-Bus 13 (Stereo-Subgruppe)
11 Lead-Gesang 1 Direct Out (Kanal 16)
12 Lead-Gesang 2 / Gast Direct Out (Kanal 17)
13 Backing-Vocals / Chor Mix-Bus 14 (Subgruppe)
14 Moderation / Kanzel Direct Out (Kanal 32)
15 Atmo-Mikrofone Publikum Direct Out (Crowd-Mikrofon Kanal 30)
16 Gesangshall (FX Reverb) Direct Out (FX 1L Return)

Warum Atmo-Mikrofone auf Kanal 15 unverzichtbar sind:

Werden gut isolierende In-Ear-Ohrhörer getragen, fühlt sich der Musiker akustisch von der Außenwelt abgeschnitten (Kofferraum-Gefühl). Er hört weder den Beifall des Publikums noch Zurufe der Bandkollegen.

  • Richten Sie zwei Kondensatormikrofone von der Bühne ins Publikum.
  • Weisen Sie diese nur dem P16-Kanal 15 zu (niemals auf die Saalanlage schalten!).
  • Der Musiker kann sich nun das Publikum nach eigenem Wunsch im Ohr dazumischen.

4. Midas DP48 Dual-48-Kanal Personal Mixer

Das Midas DP48 stellt eine neue Generation dar und arbeitet direkt über AES50 statt Ultranet:

Merkmal Details
48 Kanäle Über AES50 (Cat5e)
Zwei unabhängige Mischungen Mix A und Mix B: zwei Musiker (z. B. Schlagzeuger und Bassist) teilen sich ein DP48, jeder mit eigenen 6,35-mm- und 3,5-mm-Stereoausgängen
12 Stereo-Gruppen Kanäle werden auf 12 Fader zusammengefasst
Eingebautes Stereo-Atmo-Mikrofon Mischt den Raumklang direkt ein
SD-Karten-Recorder Zeichnet Proben als Einzelspuren auf

Anschluss des DP48 am Mischpult:

  1. Verbinden Sie den AES50 Port B des Mischpults über ein geschirmtes Cat5e-Kabel mit dem Eingang des DP48 (oder schleifen Sie es über die Stageboxen durch).
  2. Öffnen Sie am Pult ROUTING → AES50 B OUT.
  3. Senden Sie die gewünschten Kanalblöcke (Kanäle 1–32 und Busse 1–16) auf AES50 B 1–48.
  4. Am DP48 weisen Sie die Signale den 12 Gruppen zu (z. B. Gruppe 1 = Drums, Gruppe 2 = Bass, Gruppe 3 = Gitarren, Gruppe 4 = Gesang).
  5. Die Musiker stellen ihre In-Ear-Mischung mit den Drehreglern und dem kontrastreichen Farbdisplay ein – mit vollem Stereo-Panorama, EQ, Hall und Limiter pro Gruppe.
Unabhängiges Praxis-Handbuch. X32 ist eine Marke von Behringer / Music Tribe, M32 von Midas.