Kapitel 13: Aufnahme, Wiedergabe & Erweiterungskarten
Das Behringer X32 und Midas M32 bieten herausragende Aufnahme- und Wiedergabemöglichkeiten: von unkomplizierter Stereo-Pausenmusik und Summen-Mitschnitten über den oberseitigen USB-Port bis hin zu 32-kanaligen DAW-Mehrspuraufnahmen und autarker Doppel-SD-Karten-Aufnahme über modulare Erweiterungskarten.
Dieses Kapitel beschreibt den integrierten 2-Spur-USB-Recorder, das standardmäßige X-USB-Audiointerface, die autarke X-LIVE-Karte, Dante-Netzwerke sowie den kompletten Workflow für den virtuellen Soundcheck (Virtual Soundcheck, VSC).
1. Oberseitiger USB 2-Spur-Recorder & -Player
Die USB-Typ-A-Buchse auf der Bedienoberfläche ermöglicht direkte Stereo-WAV-Aufnahmen und -Wiedergaben ohne externen Computer.
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Format | Stereo-WAV, 16 Bit, unkomprimiert |
| Abtastrate | 44,1 kHz oder 48 kHz (folgt der Pult-Clock) |
| USB-Stick | Muss FAT32-formatiert sein (max. 32-GB-Partition) |
Aufnahme einrichten:
- Zu HOME → TAPE (USB REC) navigieren (oder die Taste neben dem Display drücken).
- Record Source (Aufnahmequelle) festlegen:
- Standard:
Main L / Main R(Zeichnet die Live-Summe des Raumes auf). - Empfehlung für Live-Mitschnitte: Eine eigene Matrix (1–2) auf den Recorder routen. So kann ein Mastering-Limiter (z. B. Fair Compressor oder Combinator) eingeschleift werden, um die Aufnahme zu verdichten, ohne die Saalanlage zu beeinflussen.
- Standard:
- Den fünften Dreh-Encoder drücken, um die Aufnahme zu starten; erneut drücken zum Stoppen. Die Dateien werden fortlaufend nummeriert (
REC_0001.WAV).
Wiedergabe einrichten (Pausenmusik / Walk-In):
- 16-Bit oder 24-Bit Stereo-WAV-Dateien in das Hauptverzeichnis (Root) des USB-Sticks kopieren.
- Im USB-Bildschirm den Titel anwählen und Play drücken.
- Das Stereosignal wird automatisch auf die Fader-Ebene Aux 7/8 zurückgeführt (beschriftet mit
USB / TAPE). Aux 7/8 aufziehen, um die Musik über die Saalanlage wiederzugeben.
2. X-USB-Erweiterungskarte (32x32 USB-Audiointerface)
Serienmäßig in den meisten X32-Konsolen verbaut, verwandelt die X-USB-Karte das Mischpult in ein 32-Ein- / 32-Ausgangs-USB-2.0-Audiointerface für Digital Audio Workstations (DAWs) wie Reaper, Pro Tools, Logic Pro, Ableton Live und Studio One.
| Richtung | Weg | Einsatz |
|---|---|---|
| Aufnahme | Pultkanäle 1–32 (Abgriff In/LC) → Card Out → USB → DAW | Mehrspuraufnahme |
| Wiedergabe | DAW-Spuren 1–32 → USB → Karteneingänge → Pultkanäle | Virtueller Soundcheck |
Treiber- & Betriebssystem-Konfiguration:
- Windows: Benötigt den offiziellen Behringer/Midas ASIO-Treiber. Puffergröße auf 64–128 Samples für latenzarmes Software-Monitoring einstellen, oder auf 256–512 Samples für absolut stabile Live-Aufnahmen.
- macOS & Linux: Native USB Audio Class 2.0 konform (vollständig treiberlos).
X-USBdirekt in den Systemeinstellungen und der DAW anwählen.
Schritt-für-Schritt: 32-Kanal-Mehrspuraufnahme einrichten:
- USB-A-auf-USB-B-Kabel zwischen Karte und Rechner anschließen.
- Auf dem Mischpult SETUP drücken und zum Reiter Card blättern. Sicherstellen, dass die Konfiguration auf 32 in / 32 out steht.
- ROUTING drücken und zum Reiter Card Out wechseln:
Outputs 1-8= Local 1-8 (oderAES50 A 1-8)Outputs 9-16= Local 9-16 (oderAES50 A 9-16)Outputs 17-24= Local 17-24 (oderAES50 A 17-24)Outputs 25-32= Local 25-32 (oderAES50 A 25-32)
- In der DAW 32 Audiospuren anlegen und sequenziell den Eingängen 1 bis 32 zuweisen. Alle Spuren scharfschalten und Aufnahme starten.
- Da Card Out die Signale bei IN / LC abgreift (vor EQ, vor Kompressor, vor Fader), enthält die Aufnahme unberührte, saubere Mehrspur-Rohdaten für den späteren Studio-Mixdown.
3. X-LIVE-Karte (Autarke 32-Kanal Doppel-SD-Karten-Aufnahme)
Die X-LIVE-Erweiterungskarte macht einen Laptop bei Live-Konzerten komplett überflüssig:
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Kanäle | 32 Kanäle gleichzeitig, 32 Bit / 48 kHz |
| Medien | Zwei SD-Kartenschächte (SD 1 und SD 2) |
| Datei-Übergang | Überspringt die FAT32-Dateigrößengrenze und wechselt die Karte, ohne ein einziges Sample zu verlieren |
| Marker | Song-Marker während der Show setzen, um in der Probe zwischen Songs zu springen |
| USB | Arbeitet gleichzeitig als USB-Audio-Interface |
Empfohlene SD-Karten:
Ausschließlich Class 10 / UHS-1 / U3 SD-Karten renommierter Hersteller (SanDisk Extreme, Kingston Canvas) verwenden. Die Karten stets direkt im Setup-Menü des X32 als FAT32 formatieren.
4. X-DANTE-Erweiterungskarte
Die X-DANTE-Karte ersetzt die USB-Schnittstelle durch ein Audinate Dante IP-Audionetzwerk:
- Überträgt bis zu 32 Audiokanäle über herkömmliche Gigabit-Ethernet-Netzwerkinfrastruktur.
- Ermöglicht direkte digitale Integration mit Yamaha-Konsolen, netzwerkfähigen Funkmikrofon-Empfängern (Shure ULX-D / Axient) und der Dante Virtual Soundcard (DVS) auf Laptops.
- Konfiguration erfolgt unkompliziert über die kostenlose Software Dante Controller auf PC oder Mac.
5. Virtueller Soundcheck (Virtual Soundcheck, VSC) Praxis-Workflow
Ein Virtueller Soundcheck erlaubt es dem Tontechniker, die Band während der Probe aufzuzeichnen, die Musiker von der Bühne zu entlassen und anschließend die 32 aufgenommenen Spuren über die Pultkanäle wiederzugeben. So können EQs, Kompressoren, Gates und Halleffekte in aller Ruhe feingeschliffen werden – ohne die Stimmen und Nerven der Künstler zu strapazieren.
| Phase | Wo | Was zu tun ist |
|---|---|---|
| 1. Probe aufnehmen | Routing → Home, Routing → Card Out | Eingänge 1–32 kommen von Local / AES50-Stageboxen; Kanäle 1–32 in die DAW oder auf die X-LIVE-SD-Karte aufnehmen |
| 2. Auf Wiedergabe umschalten | Routing → Home | Eingänge 1–8, 9–16, 17–24 und 25–32 auf Card 1–8 … Card 25–32 stellen |
| 3. Abspielen und mischen | DAW oder X-LIVE | Play drücken — die Kanäle 1–32 erhalten nun die aufgenommenen Spuren. EQ, Kompressoren, Gates und Hall anpassen, mit dem Tablet durch den Saal gehen, Monitore und In-Ears per Sends on Faders verfeinern |
| 4. Zurück zu live | Routing → Home | Eingänge 1–32 wieder auf Local 1–32 oder AES50 A 1–32 stellen — das Pult ist live und für die Show eingestellt |
Profi-Tipp: Phase 2 und Phase 4 in zwei separaten Snippets (
Snippet 01: VSC WIEDERGABEundSnippet 02: LIVE EINGÄNGE) speichern, bei denen ausschließlich das Häkchen bei Routing gesetzt ist. Damit schaltet ein einziger Tastendruck das gesamte Pult zwischen virtuellem Soundcheck und Live-Betrieb um!